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Utiseta


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Es ist eine der schwersten schamanischen Übungen und behinhaltet eigentlich nichts als "draußen rumsitzen". So viel ungetane Arbeit wartet auf mich, Dinge, die erledigt werden müssen, aber auch Probleme, echte Probleme, die nach Lösungen verlangen. Bewerbungen, Telefonate, Geldfragen, Anmeldungen, Absagen, Dinge die Kraft kosten, nach Entscheidungen verlangen.

Ich bin so gewöhnt an dieses Leben "drinnen", auf den Straßen der Zivilisation, mit dem Kaffee in der linken, dem Croissant in der rechten Hand Züge besteigend, Treppen auf und ab laufend, zwischen Durchsagen, Drehtüren, Schlüsseln und Laternen, mit Waschmaschinen, Parkplätzen, Steckdosen und Telefonen sitzend mein Leben zu verbringen.

Immer mit dem sehnsüchtigen Blick aus dem Fenster, auf das Grün der Bäume, den Himmel und ein paar Tauben ohne Krankenversicherung starrend.

Seit ich denken kann stehe ich auf dieser Linie zwischen Asphalt und Wildwuchs, zwischen Acker und Weg, zwischen Terassenstein und Rasen. Immer auf der Kante, nie ganz drinnen, nie wirklich draussen.

Vielleicht ist das auch genau der Platz, den ich einnehmen soll, vielleicht ist die Sehnsucht nicht zu schwach, die "Gemütlichkeit" nicht zu verlockend, sondern hier, auf der Grenze, auf der "Hecke", die die Zivilisation der Menschen von der Natur trennt, soll ich sitzen. Als Heckensitzerin, kurz: "Hexe". Innerlich immer ein wenig zerissen, nur ganz froh in der Wildnis, aber auch nur ganz froh, wenn mich meine Lieben umarmen und es drinnen warm, hell und trocken ist.

Hereinzukommen, nicht mehr "unheimlich" zu sein, ein "zu Hause" zu haben, für sich selbst, aber auch in einer Gemeinschaft, Familie, in der Gesellschaft, im Beruf.

Das ist nichts besonderes, sondern eine Gratwanderung, die jeder Mensch erlebt. Darum ist Schamanismus auch meiner Meinung nach nicht exklusiv, also etwas, das nur wenige "können", sondern in uns allen angelegt als ein Weg, den Bruch zwischen Natur und Zivilisation zu überbrücken, sich darauf zu bewegen, herumzutanzen oder einfach nur zu sitzen. Halb drinnen, halb draußen.


Das Utiseta, das Draußensitzen, ist eine alte Methode des Schamanisierens, bei der man sich in einen Ort fern der menschlichen Gemeinschaft begibt, um dort mit den Geistern in Verbindung zu treten. Darum vielleicht steht das Hexenhaus tief im dunklen Wald und darum trifft man die Hexe auf einem Baum sitzend an, oder mit einer Kiepe hinter einer Tanne hervortretend. Ihr wildes Aussehen ist vielleicht gar nicht hässlich, sondern nur ungekämmt und ungezähmt. Ihr hohes Alter weißt darauf hin, dass sie Wissen und Erfahrung angesammelt hat, denn das brauchte man früher, um gesund alt zu werden.

Die Hexe ist die einzige Frau, die allein im Wald zurechtzukommen scheint. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehn, da muss doch Zauberei im Spiel sein?

Wer verzichtet schon gern auf den Schutz und die Wärme der menschlichen Gemeinschaft? Das ist doch unheimlich!

Sie ist nicht allein, das ist vielleicht der Trick. Sie spricht mit den Tieren, den Ortsgeistern und Feen und auch mit den Göttern. Sie teilt ihr Wissen und holt die Kräfter der anderen Welt in unsere hinein, für Stärke und Schutz, für Segen und Fruchtbarkeit, Heilung, Weisheit und Rat.

Von draußen nach drinnen.

Isle of Skye
Isle of Skye

 
 
 

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